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Charakter: |
Geprägt durch seine
Vergangenheit hat sich aus einem einst aufbrausenden und
beinahe schon jähzornigen Wolf, ein ruhiger Wolf
gebildet, der zwar seine Eigenarten hat, aber dennoch
ein angenehmer Zeitgenosse ist, der es versteht auf
andere einzugehen und ihnen jederzeit zur Seite zu
stehen. Was ihn bisweilen ein wenig sonderlich wirken
lässt. Zeigt er sich jedem Fremden vertraulich bis
hilfsbereit lässt er so gut wie niemanden an sich selber
ran, was dazu führt, dass er sich nur ungern bzw.
widerstrebend helfen lässt.
Besonders seine Vergangenheit scheint für den Rüden nach
wie vor ein rotes Tuch zu sein, der er entweder mit
Lügen aus dem Weg geht oder er sich selbst schlicht als
„Heimatloser“ bezeichnet.
Was ihn aber bei Weitem noch nicht eigentümlich macht.
Erst seine von Zeit zu Zeit recht geschwollene
Ausdrucksweise und seine Verschwiegenheit, haben bei
Artgenossen immer für etwas Verwunderung gesorgt.
Trotzdem sollte man im Auge behalten, dass diese
Verschwiegenheit nicht etwa durch Schüchternheit zeugt,
im Gegenteil. Er zieht es vor andere reden zu lassen,
als sich anderen aufzudrängen, was unweigerlich zu
unangenehmen Fragen führen könnte.
Auch wird ein Artgenossen den grauen Wanderer wohl nie
in einen Kampf verwickelt sehen, im Gegenteil, in den
meisten Fällen wird man ihn als strickten Ablehner
heftiger Auseinandersetzungen erleben. Das einzige was
darüber hinwegtäuscht, ist der kräftige Körperbau, der
ihn bei genaurer Betrachtung allerdings mehr zu einem
sanften Riesen machen sollte. |
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Stärken: |
- das Vermitteln
zwischen zwei Parteien |
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- versteht es anderen
zuzuhören und Ratschläge zu geben |
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- sehr ausdauernder
Wanderer |
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- passt sich schnell
neuen Gegebenheiten an |
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- sehr ausgeglichener
Charakter |
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Schwächen:
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- zurückhaltend bis
schweigsam |
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- relativ erfahrener
Kämpfer, macht von Erfahrung und Können allerdings kaum
Gebrauch, weigert sich regelrecht |
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- wahrt
zwischenzeitlich Distanz zu anderen |
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- lässt sich nur
ungern helfen |
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Ein kalter und rauer Wind
fegte über die karge Landschaft Sibiriens, während er gnadenlos
an den blattlosen Ästen der Bäume zerrte. Der ein oder andere
war dieser mächtigen Naturgewalt bereits zum Opfer gefallen,
weswegen viele bereits umgeknickte Bäume das Bild der
Landschaften prägten. Dicht in den Schnee gekauert hockten
Schneehasen und versuchten mit aller Macht dem mächtigen Wind
standzuhalten, während sich kleinere Nager bisweilen völlig
verkrochen hatten. Eigentlich ein völlig normales Szenario in
mitten eines sibirischen Winters. Nur diesmal trug der Wind auch
etwas anderes mit sich. Es war der Geruch von Tod und Angst,
vielleicht sogar Reue?
Dort wo der im Sommer so aufblühende Wald etwas lichter wurde,
hatte sich ein Rudel gesammelt. Dicht an dich hatten sich die
Mitglieder aneinandergedrängt, um dem Wind so wenig
Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Der aufpeitschende Schnee,
in dem sie bis zu ihren Knien standen vermochte es die Sicht der
Wölfe deutlich zu trüben, dennoch schaffte er es nicht zu
verbergen was vor ihren Pfoten geschehen war.
Vor ihren Pfoten lag leblos der Körper ihres Betas, nicht anders
als der Rest der Rudels war er nur noch ein Schatten seiner
selbst. Der Winter machte ihnen wie jedes Jahr deutlich zu
schaffen.
Keine zwei Meter entfernt von dem toten Körper des einst so
stolzen Rüden, stand breitbeinig, schwer atmend und deutlich
mitgenommen, ein Wolf der bis vor wenigen Minuten noch einer von
ihnen selbst gewesen war. Nun aber, durch den Ausgang der recht
heftigen Auseinandersetzung ...
Während Vincents Herz weiter heftig gegen seine Brust klopfte,
stieg sein Atmen in Form von kleinen „Wolken“ auf und wurde im
Nu eins mit dem Sturm, der um sie herum tobte.
Was war hier passiert? So richtig realisieren konnte er es immer
noch nicht, erst das ansteigende Raunen in den Reihen der
Rudelmitglieder und das darauf folgende Knurren seinerseits,
dass das Raunen wieder verebben ließ, gaben ihm die Möglichkeit
das Passierte Revue passieren zu lassen. Alles war so schnell
gegangen.
Sie waren auf der Suche nach neuen Jagdgründen gewesen, während
das Wetter um sie herum immer schlimmer geworden war. Und er
selber hatte mit seiner schlechter werdenden Laune nicht gerade
dafür gesorgt, dass sich die allgemeine Stimmung nennenswert
hob. Gerade der Beta des Rudel war immer öfter in sein
Kreuzfeuer aus Vorwürfen und Seitenhieben geraten. Es hatte
schon früher Reibereien zwischen den beiden Rüden gegeben, aber
immer nur in einem begrenztem Maß, nie war es zur Eskalation
gekommen.
Diesmal sollte es anders kommen. Während die Alphas zu sehr
damit beschäftigt waren, die Jungwölfe an ihrer Seite zu
behalten und den richtigen Weg zu finden, fing nun auch in ihren
eigenen Reihen der Sturm an zu brodeln. Was mir Drohungen,
Vorwürfen und Beleidigungen anfing, schaukelte sich schließlich
zu einer handfesten Beißerei hoch. Die einerseits die Spitze
eines längst hätte ausgefochtenen Machtkampfes war, andererseits
entlud sich so die Spannung, die auch den Rest des Rudels an den
Nerven zerrte und allgemein für überhitzte Gemüter gesorgt
hatte.
War der Kampf erst einmal in Gang gekommen, schien alles viel zu
schnell zu gehen. An sich schienen beide Rüden gleich auf zu
sein. Dennoch, die Wanderung hatte sehr an den Kräften des Betas
gezerrt, mehr an denen von Vincent, was am Ende das Quäntchen an
der Waage gewesen war. Der Kampf und die Wanderung setzen dem
Rüden ab einem bestimmten Punkt so sehr zu, dass nicht nur sein
Geist den Kampf aufgab, sondern auch Momente später sein Körper.
Und nun stand er selber hier, als zweifelhafter Sieger eines
Kampfes der eigentlich nicht hätte vermieden werden können. Ein
Blick in die Augen der anderen Wölfe verriet ihm, dass in ihnen
Angst lag. Angst und ein Hauch von Verachtung? Womit sie recht
hatten, einen besonders ruhmvollen Weg den Rang des Betas
einzunehmen hatte er nicht gerade gewählt.
Keiner von ihnen war gewillt das unangenehme Schweigen zu
brechen, erst der Alpha schaffte es sich gegen die tödliche
Stille durchzusetzen und das Rudel zum Weiterwandern
aufzufordern. Dies war eine neue Situation, zwar keine schöne,
aber man musste lernen sich mit ihr zu arrangieren, so
schmerzlich es auch war.
Während das Rudel weiter zog, hatte sich eine ungewöhnliche Ruhe
über das Rudel gelegt, niemand schien so richtig akzeptieren zu
wollen, dass sie nun einen neuen Stellvertreter hatten. Und
selbst Vincent konnte ihre Zweifel nur zu gut nachvollziehen,
sah er sich doch selbst nicht in der Lage alle Zweifler von
seiner Meinung zu überzeugen, irgendetwas hemmte ihn, ganz im
Gegensatz zu der Zeit vor dem Kampf, in der er sich nicht zu
fein gewesen wäre, jedem der ihm widersprach die Leviten zu
lesen. Nun aber schien er in seinem Geist fast gebrochen zu
sein. Zweifel an allem was er bisher getan hatte überkamen ihn.
Den Respekt des Rudels würde er sich nicht ohne Muskelkraft
erarbeiten können, so viel stand fest und aus irgendeinem ihm
nicht greifbaren Grund wollte er das auch gar nicht.
Er wollte eigentlich nur noch eines: Weg von hier, weg von dem
was passiert war, weg von den Blicken und alles was mit ihnen
verbunden war.
Dies war wahrlich kein Leben mehr für ihn.
Als sich der Sturm schließlich einige Tage daraufhin gelegt
hatte und das Rudel sich für die Nacht an einer geschützten
Stelle niedergelassen hatte, setzte Vincent seinen Entschluss in
die Tat um. Während die anderen schliefen, verließ er ohne ein
Wort des Abschieds das Rudel in dem er aufgewachsen war, sie
waren ohne ihn besser dran.
Von diesem Moment an zog der graue Rüde von Ort zu Ort, ohne
lange bei einem bestimmten zu bleiben, sein Gespür wies ihm den
Weg.
Mit der Zeit wich sein bisheriges Verhalten völlig von ihm, was
man in erster Linie fremden Wölfen zu verdanken hat, denen er
jederzeit ein offenes Ohr schenke und immer versuchte eine
helfende Hand bereit zu haben. Zwar machte dies den toten Beta
nicht wieder lebendig, dennoch half es ihm darüber
hinwegzukommen. |
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